Der Begriff Mythos Kuba wird verwendet, wenn man von Kuba als von dem einzigen gelungenen sozialistischen Experiment der Geschichte der Menschheit spricht. Allerdings wird man weder den Anhängern noch den Kritikern der Regierung der Gebrüder Castro gerecht, wenn man dieses Thema oberflächlich abhandelt. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass der Sozialismus in Kuba einige gute Ergebnisse gezeitigt hat. Zu erwähnen wäre der relativ hohe Bildungsstandard der Kubaner, sowie die in ganz Lateinamerika und der Karibik einzigartig gute medizinische Versorgung der Bewohner auf der Insel. Die Analphabetenrate liegt nahe bei Null, da alle kubanischen Kinder die Schule besuchen. Kuba hat eine Menge sehr gut ausgebildeter Fachkräfte wie Lehrer und Ärzte, die an politisch befreundete Staaten Lateinamerikas, wie zum Beispiel Venezuela ausgeliehen werden, um dort jeweils beim Aufbau des hiesigen Bildungs- beziehungsweise Gesundheitssystem mitzuhelfen.

Selbst in Sachen Tourismus hat Kuba die Nase vor, sogar vor solchen Perlen Lateinamerikas wie Brasilien. Proportional gesehen verzeichnet die sozialistische Insel einen größeren Besucherstrom als das Land des Samba. Von dem florierenden Tourismus profitiert die lokale Bevölkerung sehr stark, seien es die Torcedors, die Zigarrendreher, die ihre berühmten Zigarren in den Straßen verkaufen oder sogar hochqualifizierte Kubaner aus allen Branchen, die in die Tourismusbranche einsteigen, weil sie durch die Trinkgelder allein ein höheres Einkommen haben als ihr durchschnittliches Gehalt. Obdachlosigkeit und Unterernährung bei Kindern ist in ganz Kuba nicht zu beobachten, was wirklich erstaunlich ist, in Anbetracht der Situation in anderen Ländern Lateinamerikas und der Karibik. Doch auch Kuba und auch der kubanische Sozialismus haben ihre Schattenseiten. Der Lebensstandard der Kubaner ist nach wie vor gering. Das Land leidet unter großer Wohnungsnot und viele Viertel und ganze Städte sind renovierungsbedürftig. So charmant rissige Fassaden im Sonnenschein sein können, sie sind die ersten Anzeichen von Baufälligkeit. Außerdem hat der Austausch von Fachkräften zum Teil zu einem eigenen Mangel, mancherorts etwa in der medizinischen Versorgung geführt. Es wird interessant sein zu beobachten, wie Kuba auf die Moderne reagieren wird, etwa auf seine Rückständigkeit im Bereich der Telekommunikation oder der Infrastruktur.

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