Zum Juwelier geht man eigentlich aus einem bestimmten Grund. Meistens weiß man ganz genau, was man möchte. Ein teurer Schmuckladen ist schließlich kein Ort, an dem man lange bummelt. Auf Schnäppchen und Sonderangebote kann man hier nicht hoffen. Ist man einmal beim Juwelier, fällt es trotzdem schwer, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In allen Ecken und Enden glitzert es. Den Augen wird mehr geboten, als sie gewöhnt sind. Kein Wunder also, dass der Blick minutenlang an dem wunderschönen Collier hängen bleibt und das Herz beginnt, höher zu schlagen. Auch Uhren üben in solchen Momenten eine ungeheure Faszination aus. Von den Angeboten, egal ob Armbanduhren, Taucheruhren, Automatikuhren oder mit Edelsteinen besetzte Uhren, kann man sich gedanklich kaum lösen. Das geht teilweise so weit, dass man sich über die Anschaffung einer neuen Armbanduhr Gedanken hat, obwohl man sie überhaupt nicht braucht. Das fällt in dem Augenblick aber gar nicht so sehr ins Gewicht. Schließlich ist Schmuck ein Luxusartikel, lebensnotwendig ist er nie. Warum also nicht jetzt zuschlagen, wenn man schon einmal beim Juwelier ist, der einen so nett berät und die Vorzüge seiner Produkte anpreist?
Meistens wacht man erst wieder auf, wenn man die Preisschilder bewusst wahrnimmt. Dann wird einem klar, dass diese Anschaffungen das eigene Budget sprengen würden. Etwas neidisch blickt man dann auf den reichen Mann, der seiner Geliebten gerade die wahrscheinlich hundertste Kette kauft. Einem selbst bleibt nichts anderes übrig, als sich auf das zu beschränken, was man sich sowieso zulegen wollte. Im Hinterkopf bleibt aber der Plan, sich irgendwann doch die schöne Luxusuhr zu kaufen. Vielleicht als Belohnung zu Weihnachten, vielleicht als Geburtstagsgeschenk, das man sich selbst macht. Das hat auch seine Vorteile: So gibt es wenigstens etwas, auf das man sich freuen kann.

Author Steffen