Gespräch mit Wolfgang Wallner-F., dem Autor des Buches
„Joseph-Der Weg zum Graal“

Ein kleiner oberösterreichischer Verlag hat vor kurzer Zeit ein neues Buch herausgebracht, in dem wieder einmal der Gral eine wichtige Rolle spielt („Joseph-Der Weg zum Graal“, jbl-literaturverlag, ISBN 978-3902159274).
Aus diesem Anlass sind wir mit Hilfe des Autors der Frage nachgegangen, was der Gral eigentlich sein soll.

Wolfgang Wallner-F: Wahrscheinlich kann der Inhalt der Gralserzählung als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Für ein „lohnendes“ Hintergrundwissen sei auf die vielen Interpretationen in psychologischer und religiöser Sicht (was letztlich dasselbe ist) hingewiesen.
Sehr gute Beispiele für eine weiterführende Literatur, sind die vielleicht wichtigsten Sachbücher abseits jeder bloß Geschäfte meinender Esoterik: „Der Heilige Gral“ von Malcolm Godwin und auch „Die Graalslegende in psychologischer Sicht“ von Emma Jung und Marie-Louise von Franz.

Interviewer: Das Gralsthema ist ja spätestens seit Dan Brown und „Sakrileg – Der Da-Vinci-Code“ wieder populär.
Die Gralslegende, den meisten Lesern sicherlich vertraut, ist stark von christlichen Einflüssen gefärbt. Ziemlich gesichert erscheint, dass die Legende zumindest im 6. Jahrhundert angesiedelt ist. Die ursprüngliche Erzählung hat keltischen und heidnischen Ursprung, gilt aber als verschollen.
Die erste erhaltene Aufzeichnung des Stoffes lieferte Chrétien de Troyes im 12. Jahrhundert. Möglicherweise starb Chrétien, bevor er das Werk vollenden konnte, das Ende der Geschichte wurde jedenfalls erst ein gutes Vierteljahrhundert später von anderen Autoren verfertigt.
Wallner-F.: Im Parzival, der deutschen Version, stellte Wolfram von Eschenbach am Beginn des 13. Jahrhunderts die Suche nach dem Gral als das Streben des Individuums nach Ganzheit dar. Es geht Wolfram um die Versöhnung der Natur mit dem „Über-Natürlichen“.
Ja, und zum Unterschied zu Robert Langdon im Film „Sakrileg-Der Da-Vinci-Code“ von Tom Hanks dargestellt), hat im Buch „Joseph – Der Weg zum Graal“ der Protagonist Joseph eine wirkliche Chance, den Gral zu finden und auch zu gebrauchen.

Interviewer: Die eigentliche Handlung in Eschenbachs Parzival spielt meist in einer Traumlandschaft, einer mystischen Jenseits- oder Gegenwelt. In dieser Gegend wird ein Held geboren, dem es bestimmt ist, ein geheimnisvolles Objekt, den Gral zu suchen. Es fehlt ihm der Sinn für Weltlichkeit, ihm ist eine Unschuld eigen, die ihm die Bezeichnung „tumber Tor“ oder „reiner Tor“ einbringt.
Er wächst in weiblicher Domäne auf, psychologisch betrachtet, könnte das ein Hinweis auf seine „Unbewusstheit“ sein.
Diese Unbewusstheit wird ihn in Situationen bringen, in denen er aus gutem Willen, aber aus Mangel an Überlegungen Taten setzt, die schlechte Folgen haben (Tod der Mutter, Raub eines Ringes usw.).
Sein sehnlichster Wunsch ist es Ritter zu werden. Nach einigen Abenteuern begibt er sich auf den Hof des Königs Artus, wo er in die Tafelrunde aufgenommen wird. Schließlich reitet er fort, um den Gral zu finden. Tatsächlich findet er die Gralsburg, den an einer Wunde leidenden König Amfortas und erlebt eine Gralszeremonie mit, bei der er aber nicht eine erforderliche Frage stellt, die den König (Fischerkönig) erlösen könnte.
Am nächsten Tag erwacht er daher fern der Burg auf einer Wiese wieder. In der Folge muss er eine Reihe von Abenteuern bestehen, so zum Beispiel Unrecht sühnen, den Gral gewinnen, die richtige Frage stellen.
Während er das alles macht, geht in ihm eine Wandlung vor und es gelingt, den verwundeten Gralshüter, den Fischerkönig zu heilen und ein verdorrtes Land dadurch wieder grünen zu lassen. Zuletzt nimmt Parzival aber nicht die Nachfolge des Fischerkönigs an (er nimmt nicht den freien Stuhl), sondern steigt als Heiliger mitsamt dem Gral in den Himmel.
Wallner-F.: Genau! Dort ist also der Gral seitdem und der Fischerkönig hat bisher noch immer keinen Nachfolger.
Die Vereinigung christlicher Vorstellungen der Entwicklung (der Mensch in der Nachfolge Christi) mit dem natürlichen Erbe (genetische, animalische Veranlagung) ist für die menschliche Psyche zwar notwendig, aber noch immer ungelöst, so dass die Gralssage weiterhin eine ungeheure Anziehung auf die Menschen ausübt. Dies deshalb, da die hier dargestellten und erweckten Archetypen (nach C.G. Jung) noch immer höchst wirksam sind und weiterhin einer Integration bedürfen.

Interviewer: Die Suche nach dem Gral ist also noch immer erforderlich und nicht geschafft?
Wallner-F.: Der Mensch war ursprünglich natürlich Teil eines Ganzen. Woher käme er sonst? Und ist es auch weiterhin. Und zum Zeitpunkt des Urknalls, als also Zeit und Raum erst entstanden, muss jeder Teil in allen anderen Teilen enthalten gewesen sein. Woher kämen die Teile sonst?
Das bedeutet, jeder Teil der „Schöpfung“ muss jeden Teil der „Schöpfung“ in sich enthalten. In einem Anhang zum Buch „Joseph“, das ein turbulentes Abenteuer ist, führe ich als Voraussetzung dieser Denkungsweise gängige Interpretationen aus der Quantenphysik an, wofür hier der Platz zu eng wäre. Der Gral dient aber sicherlich der Vereinigung einiger grundsätzlicher Gegensätze (Anmerkungen: Siehe auch „Gespräche“ und „Gedanken zum Buch“ auf der Internetseite des Buches).

Interviewer: Was hätte die Auffindung des Grals für Konsequenzen?
Wallner-F.: Das führt zur unbedingten Verantwortung jedes bewussten Teiles des Universums. Also des Menschen, für die gesamte „Schöpfung“. Eine solche ist es nämlich tatsächlich, wenn auch vielleicht aus anderen Gründen als die bisher darunter verstandenen. Die Gründe für die Annahme dieser Art von „Schöpfung“ sind ebenfalls Im „Joseph“ angedeutet.
Übernimmt der Mensch nicht die Verantwortung, dann tötet er sich selbst. Diese Entwicklungsrichtung ist in unserem Kulturkreis zumindest vermutbar.

Interviewer: Im Buch und im Anhang schreiben Sie auch über eine Möglichkeit zur Rückkehr in das Paradies. Wie kann so etwas sein? Meinen Sie das als Realität?
Wallner-F.: Wenn heute ein Mensch das Paradies auf dem Weg von Osten nach Westen erreichen will, steht der Engel mit dem Flammenschwert davor. Das bedeutet, dass es keinem Lebenden, oder besser keinem Bewussten gelingt, ins Paradies zurück zu kommen. Folgerichtig hat Jesus das Paradies erst erreichen können, als er von den „Toten“ auferstanden war, da kam er ja auch vom Westen, dem Totenland, und da steht kein Engel!
Ein kurzer Hinweis dazu: Er schaffte es, das Bewusstsein, das uns die Früchte des „Baums des Lebens“ gegeben haben, mit denen des „Baums des Lebens“ zu verbinden.
Das Paradies ist immer existent, nur für unseren Bewusstseinsstand nicht leicht wahrnehmbar. Joseph im Buch wird im Rahmen der Handlung ein Weg gezeigt, der ihn über Zeit und Raum tatsächlich wieder ins Paradies führen kann. Vom Westen! Als Lebender!
Ob ihm das gelingt, möchte ich hier nicht verraten. Es wäre aber ein Weg, der allen Menschen grundsätzlich möglich sein kann.

Interviewer: Erzählen Sie etwas aus dem Inhalt des Buches?
Wallner-F.: Na ja, der Klappentext des Buches verrät:
„Irgendwann kann es sein, dass er einfach da steht.
Du kannst ihn beachten, oder Du lässt es sein.
Der Hüter der Schwelle.
Bei Joseph ist es eine Statue.
Saturn?
Und er übertritt die Schwelle.
Und dahinter….?
Ein leeres, verstaubtes Theater?
Und keine Zweitbesetzung für die Rolle des Lebens.
Da ist auch Luzifer, der eine unbändige Sehnsucht verspürt. Eine liebevolle Sehnsucht nach seiner Heimat, nach Gott.
„Joseph – Der Weg zum Graal“ ist der außergewöhnliche Bericht über eine außergewöhnliche Reise. Eine Reise, die überall und jederzeit beginnen kann.
Auch für Dich!
Gut, wenn Du sie antrittst.“

„Joseph–Der Weg zum Graal“ ist eine Geschichte, die der Phantasie entsprang.
Eine abenteuerliche, vielleicht auch turbulente Reise durch Zeiten, ja sogar zum Ursprung der Welt selbst. Grundlagen dieser Phantasie sind in der Graalslegende selbst zu suchen und darin, dass Parcival den Graal letztendlich in den Himmel mitnahm.
Auf der Erde fehlt er seitdem wieder!
Was Joseph die Möglichkeit gibt, die Suche nach dem Graal wieder aufzunehmen, basiert auf Erkenntnisse, die Religionen, Philosophien, Psychologien und auch die Quantenmechanik eröffnen. Wodurch diese Möglichkeit entsteht, kann – wie gesagt – ein interessierter Leser am Ende des Buches nachschlagen oder sich dort weitere Anregungen holen.

Interviewer: Sie haben ja derzeit auch im Ausland Erfolge!
Wallner-F.: Ja, und das freut mich ganz besonders. Mein vorheriges Buch erschien im Oktober in Rumänien und hat dort sehr schöne erste Publikumsreaktionen hervorgerufen.
Eine Leserin aus der Stadt Galati schrieb: „Ich liebte dieses Buch enorm! Es brachte mich in die Stimmung, die ich hatte, als ich die Psalmen Davids las. Es scheint mir, dass das Buch für alle Menschen passt, die auf der Suche nach der Wahrheit sind – es geht um ALLES ODER NICHTS…, das heißt, das Buch folgt nicht dem komfortablen mittleren Weg…“.
Immerhin, es gibt nicht sehr viele österreichische Autoren, deren Bücher in fremde Sprachen übersetzt wurden (Anm.: Elihu-Hinterlassene Aufzeichnungen aus der Ewigkeit). Und es gibt 28 Millionen Menschen, die Rumänisch als Muttersprache haben! Und das macht mir Freude.

Interviewer: Wie kommt es, dass man erst jetzt auf Sie aufmerksam wird? Sie haben ja im Jänner bereits den 60. Geburtstag.
Wallner-F.: Das kommt daher, dass ich erst seit ungefähr 2003 wirklich ernsthaft schreibe. Vorher war ich Beamter und konnte im Rahmen der Einsparungsmaßnahmen mit 55 Jahren vorzeitig in den Ruhestand gehen. Natürlich mit empfindlichen finanziellen Einbußen.
Aber bereut habe ich das überhaupt nie.
Im Gegenteil. Erst seit damals habe ich Zeit um das zu tun, was mein Wille ist. Und was ich dabei lernte: Es ist nie zu spät, seine Träume zu leben.
Es gibt immer einen Weg dazu! Man muss nur die Möglichkeit erkennen. Achtsam und bereit sein.

Interviewer: Im Hinblick auf das Buch: Es ist nie zu spät, den Gral zu suchen.
Wallner-F.: Genau das auch ist eine der Botschaften des Buches.

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